Kollegah – Boss der Bosse (Selfmade Rec./09.06.2006)
"Kuck mich an, Silberblick, Chromleistenglänzen/ Killershit Volume 2 - Es ist Showtime again/" schallte es noch kurz vor den Nationalhymnen zum Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft 2006 aus meinem Ghettoblaster, der irgendwo im deutschen Fanblock der Allianzarena auf meinem Schoß platziert war. Nach einem eher mäßigen Intro, stand mit diesem Song für mich und den Rest der VIP-Karten-Besitzer fest: Toni ist noch immer der alte, noch immer der mit Reim, Vergleich und Flow überzeugende, halbkanadische Zuhälterrapper, dem in Sachen unterhaltsamen Gangsterrap derzeit keiner das Wasser reichen kann. Mir kann übrigens auch keiner das Wasser reichen, von daher machte es *Plopp* und ich trank genüßlich mein reingeschmuggeltes Staropramen-Bier, während ich weiterhin etwas für meine von Fangesängen geplagten Ohren tat.
"König Westedeutschlands" und "Time is Money" (der gute alte Benjamin Franklin würde sich wohl im Grabe umdrehen) überzeugten zwar aufgrund ihrer eher einfallslos bzw. unpassend wirkenden Hooks nicht, aber als dann unmittelbar nach Lahms Treffer zum 1:0 "Mobster Music" ertönte, konnte auch der hinter mir sitzende Franz Beckenbauer seine Begeisterung nicht mehr länger zügeln. Lable-Kollege Shiml überzeugt auf jenem Track durch Text und Flow sehr und lässt die Vorfreude auf weitere Kollaborationen der beiden und den bald erscheinenden Selfmade-Records-Sampler steigen. Die Entscheidung größtenteils auf hausgemachte Beats von Selfmade-Produzent Rizbo zurückzugreifen, erwies sich vorallem hier als Glückgriff. Ich kann mich nicht daran erinnern aus Deutschland je so qualitative und vielfältige Beats gehört zu haben. Spätestens beim nachfolgenden Track, "Boss der Bosse", hätte unser Kaiser die Bedrohung seines Throns in Deutschland durch Kollegah realisieren müssen, jedoch klatschte der Franz hinter mir öfter in die Hände als Leute, die per "Clapper Switch" Disko-Effekte auf ihrer Homeparty nachahmen wollen. -Klose hatte nun auch seinen ersten Ball ins gegnerische Tor reingeprügelt und irgendwann hat's wohl auch mal kurzzeitig 'nen Ausgleich gegeben. Nunja, hatt ich nicht gesehen, war bestimmt eh Abseits, oder vorher Foul oder Solidarität mit der Gastmannschaft. Auf jeden Fall unwichtig. Wichtig: T.O.N.I. kann auch anders. Nachdem er in dem Track "Bei Sonnenuntergang" wie Klobürsten nochmal richtig auf die Kacke haut und diesmal auch mit Hook überzeugt (Beat ist übrings wieder erste Sahne!), geht er bei "Nacht" erstmals in Richtung Themenrap und spricht offen über seinen Wunsch trotz Drogendealer-Karriere "irgendwann doch noch in den Himmel zu kommen". Genaueres zu seiner Laufbahn vor'm Eintritt in das Rap-Business, zu seinen Familienverhältnissen und Konflikten mit dem Gesetz rekapituliert er nach "Du weinst Tränen" und "King of Coke", welche beide im typischen TONI-Style gehalten sind, in dem SlickOne-Feature "Rauch" nochmals detaillierter. Der vorletzte Song "Sommer" greift vorallem Tonis Bezug zur Religion intensiver auf. In der Halbzeitpause hab ich dann der deutschen Mannschaft noch schnell einen Besuch abgestattet. Mit Kaviar aus'm Backstage-Bereich zwischen den Zähnen und Ghettoblaster im Schlepptau, ließ sich unsere Elf mit den restlichen Tracks des Albums ganz gut motivieren, auch wenn das Hauptaugenmerk der meisten Spieler eher auf der reizenden Stimme von "Sarah" lag, die es anscheinend schaffte Kollegah davon zu überzeugen, dass nicht nur "Schwanzlutschen und Saubermachen" als Profilierungsmöglichkeit für Frauen dienen können (Ja, ich war auch überrascht, dass das geht). Nunja, 2.Halbzeit: Klose würgte noch einen rinn, Frings schoss auch nochmal richtig uffe Butze und der Endstand war 4:2 (Wie sich später herausstellte resultierten die 2 Gegentore durch Defekte an der Anzeigetafeln - Es hat sie nie gegeben.).
Sowohl Kollegah als auch die deutsche Nationalmannschaft sind also im großen und ganzen den zuvor gestellten Erwartungen gerecht geworden. Ein Album mit interessanten Features, größtenteils herausragenden Beats, gewohnter Fülle an Reim, Witz und Unterhaltung, gutem Sound, überwiegend zu simplen Hooks und Einblicken in Kollegahs "wahres Ich", bei denen jeder für sich selbst beurteilen muss, ob sie angebracht sind oder nicht. Kollegah ist mit "Boss der Bosse" eine gelungene Anknüpfung an sein "Zuhälter-Tape" gelungen und das Nachfolger-Mixtape, dass jedoch getrost als Album bezeichnet werden kann, siedelt sich auf jeden Fall ganz oben an wie Sherpa.
Klugscheißer-Anmerkung: Die Mehrzahl von "Mafioso" lautet nicht wie auf dem Album bezeichnet "Mafiosos", sondern "Mafiosi".
Thaddäus Trumpf
K-OS– Joyful Rebillion (EMI 2005)
Die Kanadische Wunderwaffe gegen Wack-Rhymes, Soft-Beats und Pseudo-Gangsta-Gehabe is zurück. Mit einer handvoll melodischer und drückender Beats, superberbem Gesang gepaart mit gut getimtem Flow, will K-OS freudvoll gegen das System, definiert durch Mainstream und mehr Schein als Sein, rebellieren.
Das seine Meinung gehört wird, finden belegen nicht nur die guten Verkaufszahlen in der Heimat, sondern auch die große Anzahl Radio-Sender, sonst nur für das Spielen alternativer Rock-Musik bekannt, welche seine erste Single "Crabbuckit" gleich mehrfach in ihre Playlisten einspeisten. Vielseitigkeit wird hier ganz groß geschrieben, auch wenn einige Tracks recht ruff sind hat das Album im Gesamtkontext, keinen HipHop-typischen Touch, sondern vereint Elemente des Funks, Raggas, sowie des Skas (!!!) gekonnt mit HipHop-esquen Basslines und Rhytmus-Pattern. Doch wer denkt, dass neben so einer großen Anzahl musikalischer Innovation die Lyrik zu kurz kommt, hat sich sehr tief geschnitten, denn K-OS hat wirklich was zu sagen. Sei es Glauben, System-Kritik oder auch mal ein versteckter Battle, die Platte bietet für jeden recht viel.
HipHop-Puristen ist es vielleicht ein wenig zu schwere Kost, zuviel Gesang, zuviel Gitarren, jedoch bin ich froh, dass auch Leute die sonst nur den Mainstream anpeilen, sich nun endlich mal guten englischsprachigen Rap geben können. Für alle denen Mike Skinners (The Streets) Akzent auf die Eier geht, die aber doch gern noch mal alternativen Rap hören wollen, ist diese Platte ein wahrer Glücksgriff! Sehr zu empfehlen!
FauAhBee
Kanye West - The College Dropout (Roc-A-Fella 2004)
Nach dem "Black Album" von Jay-Z, von dem man halten kann, was man will, kommen nun gleich zwei ziemlich gute Alben aus dem Hause Roc-A-Fella. Kayne Wests "The College Dropout" und Memphis Bleeks "M.A.D.E.", letzteres soll später näher vorgestellt werden, vorerst zur Platte, die für mich ein Anwärter auf das Cover des Jahres ist.
Kanye West rappt mit herrlich unaufgeregter Stimme über allerfeinste Kopfnickerbeats, die selbst meine Freundin zu ertragen weiss! Dazu passen einige meiner Lieblingskünstler ganz gut ins Konzept und so findet man Syleena Johnson, ebenso wie Talib Kweli, Common oder Mos Def (wenn schon kein eigenes Album...). Das war's aber noch nicht mit Unterstützung anderer: Jay-Z (als Co-Rapper und ausführender Produzent), Ludacris und andere. Gleichfalls findet sich der Track "Slow Jamz", eigentlich von Twista, aber gemeinsam mit K. West, auf diesem Album. Das alleine ist dann schon eine große Bandbreite an angebotenen Stimmungen und Stilen. Von ruhig, "All Falls Down" mit S. Johnson, bis zur leicht abgedrehten Clubnummer "Slow Jamz" kommt keine Langeweile auf. Dazu gesellen sich einige rudimentäre HipHop-Tracks, zum Beispiel "Jesus Walks", die zeigen, worum es eigentlich geht. "The College Dropout" ist ein sehr abwechslungsreiches Album, macht Spaß und hebt sich gerade dadurch deutlich ab, vom derzeit bestimmenden Stil von G Unit oder Lil' Jon. Absolut empfehlenswert.
L.M.
Kinder des Zorns – Rap Art War (Buckwheats Music 2004)
So. Da ist es das Debütalbum der Kinder des Zorns, welche aus Abroo, Casper und Seperate (der auch gleichzeitig der Chef des kleinen aber feinen neuen Labels Buckwheats Music ist) bestehen. Das Album ist von Fadee produziert, und schon im erstem Track nach dem Intro kriegt man einen klasse Beat zu hören welcher von durchaus talentierten Rappern unterstützt wird. Der erste Track macht Lust auf mehr, und im Grunde wird man vorläufig nicht enttäuscht durchweg solide produziert und auch guten Rap der vielleicht nicht übermenschlich ist, aber gut ins Ohr geht. Und dann ein Tiefpunkt: was hat das Lied Ladies auf dem Album zu suchen? Na ja, egal nach dem Track gibt's ein Skit und alles pegelt sich wieder ein und es geht weiter wie zuvor.
Auf jeden Fall positiv zu erwähnen ist die Vielseitigkeit des Albums, da geht es mal chillig, mal ein bisschen härter zu, ohne jedoch den Faden zu verlieren. So präsentiert sich ein solides Erstlingswerk welches auf alle Fälle zu empfehlen ist, dennoch kein Hit oder gar chartfähiges Album. Es bleibt abzuwarten was aus der Buckwheats Ecke in Zukunft folgt. Ich bin gespannt ;)
pimpel
King Orgasmus & Godsilla – Schmutzige Euros (I Luv Money 2005)
Der König des nicht-jugendfreien Raps fand sich 2005 mit seinem jüngsten Protegé, dem 19-jährigen Godsilla im Studio ein, um Musik zu machen. Diese Musik, die Orgi selber als "Porno-Rap" bezeichnet, machen sie nicht etwa der Musik wegen, nein! Nur für die schmutzigen Euros.
Orgi kann man lieben oder hassen, er ist auf jedenfall ein Phänomen in der Rap-Szene, kein extremer Reim-Techniker, kein Überflower, gern mal in der unteren Schublade zugange, aber man muss zugeben, dass seine Lyriks irgendetwas haben ... Wahrheit. Sex sells, Orgi sagt Rap ist Sex, Sex aus Berlin ist was er also verkauft, das seit Jahren mit einem, für viele nicht nachzuvollziehendem Rezept. Doch der Mann der schon Leute wie Bushido & Bass Sultan Hengzt groß machte, versteht sein Business und hat zudem eine Reihe sehr versierter Produzenten um sich herum.
Das Album ist wirklich keine einfache Kost, textlich sehr herb, aber abgerundet durch die Beats bekommt es eine aussergewöhnliche Wirkung und Energie ... man kann über die ILM Ecke denken was man will, aber stimmungstechnisch sind die Sachen sehr krass und berühren, ob nun positiv oder negativ muss jeder für sich entscheiden.
Ich persönlich kann mich zwar nicht mit allen Tracks anfreunden bzw. sind mir auch einige Zeilen zu krass, aber es macht dennoch irgendwie Spass das Album zu hören, sei es auch nur aus Neugierde.
FauAhBee
K. I. Z. – Das Rap Deutschland Kettensägenmassaker (2005 Royal Bunker)
K. I. Z. steht für Künstler im Zuchthaus, Kannibalen in Zivil und wer weiß was sonst noch! Auf jeden Fall sind die Künstler oder Kannibalen sofort an ihrem Stil zu erkennen. Der sieht so aus, dass die Emotionen im Vordergrund stehen. Wobei man klarstellen sollte, dass es sich hierbei um die Art von Gefühlsregungen handelt, die testosteronbedingt in Erscheinung treten. Da geht es in erster Linie um Hurensöhne, denen der Prozess gemacht werden sollte und „wahre Liebe“.
Das Rap-Deutschland-Kettensägenmasaker, das Album mit dem längsten Namen der Welt, ist am kürzesten gesagt die hohe Kunst des Battlens und verbalen Kopulierens. Wer streng gläubig ist, oder an das Gespinst der Moral glaubt ist hier ganz einfach falsch und ein Hurensohn. Hier ein kleines Beipiel für den vorhandenen Wortwitz: „Deine Freundin wollte meinen Schwanz sie war läufig/ Jetzt ist sie tot, es waren 6 Meter 90/“ eine wirklich herrliche Anspielung an den Topfklassiker! Jedenfalls findet man einige dieser unterhaltsamen Bars auf der gut fünfzig Minuten langen LP. Die Beats sind, abgesehn von ein paar Aunahmen, minimalistisch und elektronisch gehalten. „In der Nacht“ dürfte wohl der beste sein. Einige Instrumentale haben eine leichte 80s-Natur, was aber recht erfrischen wirkt. Sil-yan, €8000, Maxim und Tarek haben ganze Arbeit geleistet. Fast jeder der sich für den Untergund begeistern kann, wird seine Freude mit der Platte haben!
Firmament
The Last Emperor - Music, Magic & Myth / Palace Of The Pretender (Raptivism Records 2004)
Zuerst war ich einigermaßen begeistert vom aktuellen Album des Last Emperor. Dann trat Verwirrung ein, doch der Reihe nach: Auf "Palace Of The Pretender" gibt es überwiegend ruhige ernsthafte Raptracks. Meistens mit eher langsamen Geschwindigkeiten. Die Inhalte scheinen ebenso schwer, wie dieTitel es vermuten lassen: "Karma", "Single Mother" oder "Meditation". Nur wenige Stücke lassen nebem dem obligatorischen Kopfnicken auch die Hintern wackeln. Das sollte man mal in "The Incredible Man" oder "Echo Leader" reinhören.
Ein illustres Produzententeam versorgt den letzten Eroberer mit feinen (Standard-)Beats. Dabei sind The Beatminerz, Ayatollah, Prince Paul und andere. Warum bin ich nun verwirrt? Es scheint mehrere Alben zu geben. Mir liegt vor "Palace Of The Pretender" als Vinyl mit 15 Tracks. Die CD dazu habe ich gesehen und die hat dummerweise zwei oder drei Bonustracks. Dann habe ich noch auf der website des Last Emperor , bei hiphopsite.com und bei amazon.de nachgesehen und siehe da: sie bewerben das Album "Music, Magic & Myth" mit größtenteils identischem Tracklisting, aber anderem Cover (siehe Foto). Nur auf amazon.de sind beide Alben aufgeführt. Sollte es da verschiedene Versionen für verschiedene Kontinente geben? Ist die Welt doch nicht so klein? Da werden mal wieder die bevorzugt, die sich gratis im web versorgen und so alles bekommen, was ich nicht doppelt bezahlen mag. Das ist keine Bitterkeit von mir, aber ein Hinweis, dass auch kleine Labels Schuld an der Misere tragen (wenn auch geringe).
L.M.
Level X – Level X (2005 Level X Entertainment)
Neben dem ganzen Hype um Berliner Rap gibt es nun auch Gangsta-Rap in D-Land. Was heißt hier Gansgta? Einerseits heißt das sechs Jahre Gefängnis nach einem Raubüberfall, davon zwei Jahre und neun Monate zur Bewährung. Andererseits heißt das Bürgerkriegsflüchtling aus Sarajevo zu sein. Vor diesen Hintergründen finden Double-X und SIM zusammen. Sie veranstalten Jams und nun liegt unter dem Label Level-X die gleichnamige CD vor. In knapp 70 Minuten wird die Vergangenheit abgehandelt.
Ein bisschen klingt es wie Geschichten aus einer anderen Welt. Geschichten aus dem Knast, Geschichten wie es dazu kam. Aber über allem der Grundton, dass es nun besser werden soll, der Versuch, gegen alle scheinbaren Widerstände ein 'anständiges' Leben zu führen. HipHop nicht als Ausdrucksmittel eines Kleinkriminellen, sondern als Alternative zum kriminellen Leben.
Die Musik paßt zur Stimmung: Eher einfach, eher dunkel, Kopfnicker-Beats, synthielastig, teils elektronisch. Sehr angenehm durchzuhören. Rasputin zeichnet verantwortlich für die meisten Beats, aber auch die Angabe Level-X findet sich. Lyrics sind in erster Linie von Double-X sowie von Double-X gemeinsam mit SIM. es ist keine Spaß-Rap und auch nicht gerade Abgeh-Mucke, aber es ist eine der wenigen deutschsprachigen HipHop-CDs, bei denen man gespannt vor der Box sitzt und zuhört. Zuzuhören ist vielleicht die beste Bewertung, die Musik bekommen kann.
Mehr zum Thema und Snippets zum Download gibt es auf der website des Labels http://www.levelxent.com
Fabolous - Street Dreams (Desert Storm/Elektra)/Lewis Parker - It's All Happening Now, the ancient series three (Virgin)
Obwohl hier zwei ziemlich gegenteilige Alben antreten, sind die Besitzer der Allstars-CDs auf beide bestens vorbereitet. Lewis Parker ist mit dem herrlich melancholischen "Incognito" auf "Brown Sugar" vertreten. Und Fabolous gab es auf "Crazy Vibez 2" eben gleich zwei mal. Mit "Street Dreams" liegt nun Fabolous' neues Album vor. Überraschungen gibt es eigentlich nicht, höchstens dass es eher ruhig ist. Der erste Eindruck ist ein optischer und betrifft das Cover: F. in blauem Pelz vor einem ziemlich schnellen Auto, im Ohr ein Juweliergeschäft. Lässig halt aber durchgefallen. Und was bietet die Musik? Erste Singleauskopplung ist "This Is My Party" , das Ihr aus den Clubs kennen dürftet, und das auf die amerikanische groovende Art durchaus partyfähig ist. Die Beats sind recht abwechslungsreich und Fabolous' markante Stimmlage wird reichlich konterkariert durch Backgroundvocals (vermutlich von schönen Frauen) und gut ausgewählte Features. Erwähnenswert "Up On Things" mit Snoop Dogg. Wobei dieser Track am ehesten in alten Spuren bleibt und keine Innovation ist. Ausserdem gibt es Features von Missy Elliott, Paul Cain, Mike Shorey & Lil' Kim, Ashanti (überflüssig) und von Mary J. Blige. Gemeint ist der Track "My Life" , der verdammt ähnlich Jay-Los aktueller Schnulze (mit LL Cool J) ist. Wer hat da wieder von wem gecovert? Keine Frage jedoch, dass Mary deutlich besser mit ihrer Stimme spielt, als Jennifer Lopez. Trotzdem konnte mich das Duet Mary - Fabolous nicht überzeugen. Mein Tipp ist Track C2 "Throw Back" . Damit sind wir schon bei den Bonustracks angelangt, wovon es auf dem Vinyl drei gibt. "Throw Back" mit fettem Beat und treibenden Lyrics, "Keepin It Gangsta" mit Styles, Jadakiss und M.O.P. - ziemlich düster, nur M.O.P. lockern es durch ihre Stimmen auf - und das bekannte "Trade It All" , hier Part II mit P. Diddy und Jagged Edge. Kein neuer Track, aber vielleicht trotzdem der beste des Albums.
Im Gegensatz zu Fabolous steht Lewis Parker, der auf Virgin ohne die große MTV-Unterstützung das herausragende "It's All Happening Now" veröffentlicht hat. Im Untertitel "the acient series three" genannt, fragt man sich wirklich, ob die Scheibe aus einer anderen Zeit kommt. So zeitlos trocken und hart sind die Beats, so klassisch fein die Lyrics. Kein Genuschel oder Gesang á la Ja Rule oder hin und wieder auch Fabolous. Und so abwechslungsreich wird mit Samples gespielt, dass man sich an A Tribe Called Quest erinnern muss. Immer wieder macht der DJ auf sich aufmerksam, ohne jedoch den MC aus dem verdienten Rampenlicht zu nehmen. Regelmäßig geben Instrumentalpassagen von zum Teil nur einigen Takten dem Hörer eine Verschnaufpause, um sodann mit neuer Energie durchzustarten.
Für alle, denen es wichtig ist sei noch erwähnt, dass es hier nicht um Autos, Schmuck, Geld und Bitches geht, sondern dass Lewis Parker wirklich etwas zu sagen hat und damit Rap dahin stellt, wo er hin gehört. Auf die öffentliche Agenda, um die Anti-Kriegs-Demo-gestählte, sich politisierende Jugend zu erreichen. Leider von der Insel auf Englisch. Wo bleibt die deutsche Antwort? Vielleicht kann Curse sie geben. Nur müssen fundamentale HipHop-Heads von Curse enttäuscht sein, wegen der Beats und der Rhymes. Und das passiert bei Lewis Parker definitiv nicht!
(L.M. - 27.04.2003)