Galla – Swing Kid (2005 La Cosa Mia/Rough Trade)
Der Wahlberliner Galla, Mitglied der Ruhrpott AG, hat mit „Swing Kid“ genau
das gemacht, was Pahel hinter und Aphroe vor sich haben: Ein Soloalbum.
Schon nach den ersten Sekunden des Hörens erweist sich dieses Album als
RAG-typisch und das ist gut so! Der Stil Gallas kommt einem vertraut und
heimisch vor ohne den Eindruck zu hinterlassen, dass hier alte Ideen
aufgewärmt wurden. Es ist nicht so, dass er über Themen rappt, die es noch
nie gegeben hat. Aber so wie er es macht, hat man es noch nie oder selten
gehört. Der feine Unterschied zu den PDNTDR-Zeiten macht das instrumentale
Gewand aus. Diesmal kommt nämlich Illfaded Tre, der schon für Brothers
Keepers produziert hat, zum Zug. Man kann zweifelsfrei sagen, dass er seine
Hausaufgaben gemacht hat. Beattechnisch kann man „Swing Kid“ auf einem
höheren Level, als die beiden RAG-Alben „Unter Tage“ und „Pottential“
ansiedeln. Was nicht bedeuten soll, dass es bei Galla anders wäre. Er flowt
auf gewohnt hohem Niveau, aber seine stärkste Waffe ist und bleibt sein
Vocabular mit dem er am laufenden Band ein lyrisches Feuerwerk entfacht. Die
Features fügen sich nahtlos in die LP ein. Der bekannteste Gast dürfte Flown
Immo sein. Abschliessend kann ich sagen, dass es sich hierbei um ein
Gesamtkunstwerk handelt, deshalb fällt es schwer einzenlne Songs vor anderen
zu nennen. Am besten Ihr besorgt Euch dieses Kopfkino selbst, vielleicht
versteht ihr dann, was ich meine!
Firmament
The Game - The Documentory (2004 Aftermath)
Das Spiel hat begonnen, oder nur eine weitere Runde? "Make Sure the Westcoast is back" -- das tut der gute Game, und das auf eine Art und Weise wie es heftiger nicht sein kann.
Punchline nach Punchline arbeitet sich Game durch alle möglichen Flows und Styles und vergisst dabei nicht seine Roots und vorallem nicht den Flavour in den Tracks, den er nicht nur den unglaublichen Beats von Dr. Dre, Timbaland, Kanye West etc. zu verdanken hat. Hier schießt jemand extrem scharf, mit dem Ziel alles zu eliminieren was das CPT daran hindern könnte wieder durchzustarten. "Westcoast never fell off, I sleep in Compton".
Es wurde im Vorfeld schon viel geredet über das Album, es wurde gelästert, wie eine Platte mit soviel verschiedene Produzenten (vorallem von der Eastcoast) noch nach Westcoast klingen soll. Ob sie das nun tut oder nicht, ist vielleicht Geschmackssache, natürlich ist der gute alte G-Funk ein wenig in den Hintergrund geraten und nur noch auf wenigen Tracks anzufinden, jedoch versprüht jeder Track für sich wieder etwas das an "2001" erinnen lässt, das Album ist von der Tracklist her enorm gut aufgebaut, zwar fehlt etwas der für Dre bekannte rote Faden, aber jeder Track sticht für sich heraus, welches Album hat das heut noch zu bieten!
Auf jedenfall ein must have Album, allein schon wegen der Hit-Singles! Glaubt mir denn Game "can take you higher" ;)
FauAhBee
High Society – Jet Set (2005 Jubeko/Rough Trade & MZEE)
„2/3“ der ehmaligen Beatfabrik, Kid Kobra und Smexer liefern mit „Jet Set“ ihr erstes Album nach der Crewtrennung. Wie der Name schon erahnen lässt, geht es in erster Linie um lyrisches Bling Bling. Dies ist ein Themenalbum, dass man vielleicht nicht so ernst nehmen sollte, wenn man ältere Sachen der beiden kennt. Inhaltlich geht es meist banal zur Sache, was neben Stirnrunzeln auch das ein oder andere Schmunzeln verursacht.
Musikalisch dominieren pumpende, puristische Synthiebeats neben Instrumetalen mit pitched Vocals à la Diplomats, die meist durchaus ihren Zweck erfüllen. Die Raps von SMX und Kid K.O. werden durch Lemonias und Nicus gelungenen Gesang verfeinert. In Sachen Flows wird das Bild durch Pillat, Snaga und Prinz Porno, der sich für eine kurze Reunion auf „Bitter Bitter“ hergibt, vervollständigt. Das Ganze hat nicht viel mit der guten alten Beatfabrik zu tun, was neben dem Inhalt auch an Kobras Stil liegt, der auf einigen Tracks ungewohnt schwach flowt und inhaltlich mit Lines wie „Ich geb kein figgedifuck, ich spitt kliggediklack“ nicht grade ins Schwarze trifft. Auch von Smexer hat man schon besseres gehört!
Es ist garnicht ihre Absicht, die Tradition fortzuführen, so ist es nicht verwunderlich, dass man öfters ein klarstellendes „das ist anders als sonst ...“ hört.
Ich kann dem gewohnten Beatfabrik-Style mehr abgewinnen.
Nichts desto trotz muss man sagen, dass einige Tracks, wie „V.I.P“ und „back für euch“, den akustischen Jet Set gut herüber bringen.
Firmament
IAM – Revoir un Printemps (Delabel/EMI)
Der Preis für das beste Coverartwork in 2003 ist dieser Platte so gut wie sicher. Irgendwie muss ich an diesen Roy aus Las Vegas denken… Die Platte glänzt durch ihren enormen Umfang an 19 Tracks, allesamt auf hohem Niveau, aber trotzdem kann man sich eine Pause beim Hören gönnen, sonst wird es etwas eintönig. IAM sind sechs Franzosen, die seit 1989 hiermit ihr sechstes Album vorlegen. Es beeindruckt durch das aufwändige Cover und die vielseitigen Rhymes und Raps. „Noble Art“ mit Method Man und Redman dürfte nicht nur durch die beiden Amerikaner ein anständiger Clubhit werden. Insgesamt eignet sich das Album eher fürs Wohnzimmer oder sogar die Lounge. Sehr angenehm sind die Gastauftritte von Kayna Samet, Syleena Johnson und Beyonce, die mit ihrem Stimmtalent die Titel deutlich aufwerten.
ikONE – EgoEmotion
ikONE hat sich Zeit genommen, um ein wirklich ausgereiftes und gutes Debüt vorzulegen. ikOne, aus Bautzen, jedoch Student in Magdeburg, hat über ein Jahr mit seinem Produzenten Dr. Eck an der vorliegenden CD gearbeitet. Herausgekommen sind 14 überwiegend ernste Titel, in denen ikONE uns an seinem Inneren und Innersten teilhaben läßt.
Ziemlich tiefgründig geht es durch alles, was einen runterziehen kann und vorallem um den dann erreichten Seelenzustand. Gefühlsschmerzen kennen wir ja aus dem modernen R&B; hier jedoch geht es eher um den "Struggle", den die Orientierung suchende Generation spätestens seit Hartz IV erlebt. Politisch ist ikONE im Grunde nicht, aber Rap ist für ihn offenbar Ventil, um dem Druck und den Problemen zu entgehen.
Daneben und damit verbunden ist seine offensichtliche Vorliebe für Kampfsport – und die Sicherheit, mit der jemand auftreten kann, der solchen beherrscht (oder wenigstens trainiert). Das erlaubt es ihm auch, offensiv auf seine Hörer zuzugehen. Nur im Intro wirkt seine Stimme etwas zu schwach, dann jedoch – auf den verbleibenden gut 60 Minuten – trägt er seine Texte sehr souverän und mit sicherer Stimme und Flow vor.
Der Produzent Dr. Eck scheint seinen Rapper sehr gut zu verstehen; er hat ihm einen instrumentalen Maßanzug gefertigt. Die minimalistischen, teils experimentellen Beats, mit ihren harten Bässen ergänzen ikONEs Talent sehr passend. Warum auf dem Debütalbum zwei Remix-Versionen sind, obwohl die originalen Tracks bisher (?) nicht veröffentlich sind, bleibt offen, ist allerdings auch weniger wichtig.
11 Titel können frei im www geladen werden. Das ist unnötig, schließlich wird die (gebrannte) CD mit farbigem Cover und 14 Tracks für ganze 3 Euro verkauft. Gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis kommt man um dieses Album nicht umhin.